Jubiläumskonzert in der Rhein-Mosel-Halle: 20 Jahre Bläserklasse am Goethe-Gymnasium

Erneut ist es ein heißer Sommerabend, an dem sich fast 1.400 Gäste in die Rhein-Mosel-Halle in Koblenz aufmachen. Gefeiert wird ein ganz besonderes Jubiläum: 20 Jahre Bläserklasse am Goethe-Gymnasium Bad Ems.

Schon in den ersten Minuten sieht man: Dieses Konzert besteht nicht nur aus Musik. Schülerinnen und Schüler packen mit an, stellen Instrumente bereit, räumen Stühle um, tragen Notenständer. Wie die Heinzelmännchen bereiten sie die Bühne vor, damit die jeweils nächste Band auftreten kann. Neben dem professionellen Fotografen sind an diesem Abend auch zwei Schüler unterwegs, um Fotos zu machen. Als ein Video einmal kurz hakt, rennt sofort ein Schüler zum Tonpult. Von sich aus mithelfen, anpacken und beitragen: Das ist an diesem Abend überall zu spüren.

Auch die Moderation liegt in Schülerhand: Johannes Dämgen und Medea Ellermeier führen souverän durch den Abend. Sie treffen auf ein dankbares Publikum, das an den richtigen Stellen „Oooooh“ und „Aaaaah“ ruft und immer wieder lautstark Zugaben einfordert.

Dann gehört die Bühne den jüngsten Musikerinnen und Musikern. Aus allen Richtungen kommen sie nach vorne gelaufen und eröffnen lautstark das Konzert mit sogenannten Boomwhackers: bunten, leichten Kunststoffröhren, die beim Schlagen auf Hand, Bein oder Boden jeweils einen bestimmten Ton erzeugen. Mit ihnen spielen sie das erste Lied des Abends: den „Hard Rock Blues“, komponiert von John Higgins. Dieser Blues wird die Zuhörerinnen und Zuhörer durch das ganze Konzert begleiten. Jede Band spielt eine für ihren Kenntnisstand arrangierte Version — wie ein musikalischer roter Faden durch den ganzen Abend.

Nach dem Blues-Auftakt spielt die Bläserklasse 5a/b schwungvoll „Final Countdown“ von Joey Tempest, dirigiert von Herrn Gutjahr. Danach folgt die Bläserklasse 6a/b mit ihrer eigenen Version des „Hard Rock Blues“, mit „The Avengers“ von Alan Silvestri und „We Be Jammin’“ von Steve Hodges.

Auch die Symphonic Band beginnt mit dem „Hard Rock Blues“, diesmal in einer jazzigen Version. Danach wird es filmisch: „Harry Potter and the Goblet of Fire“ von John Williams sowie „The Never Ending Story“ von Giorgio Moroder und Keith Forsey stehen auf dem Programm. In großen Bögen, kraftvoll und episch, spielen die Schülerinnen und Schüler diese Werke der Filmmusik. Speziell beeindruckt zeigt sich das Publikum von der Musik zu Harry Potter. Anschließend singen zahlreiche Millennials im Publikum mit, als ein Medley folgt: „One Direction in Concert“ von R. Kotecha und C. Falk, dirigiert von Frau Diefenthal, weckt Erinnerungen an die frühen 2010er Jahre.

Als Nächstes spielt das Schulorchester, und ihr Stück „In 80 Tagen um die Welt“ von Otto M. Schwarz wird zu einem der großen Momente dieses Abends.

Bevor das eigentliche Stück losgeht, erklärt Moderator Johannes Dämgen charakteristische Abschnitte des Stückes, die man später wiedererkennen kann: etwa die Marseillaise, den dumpfen Glockenton von Big Ben, die stetig klackende Uhr mit ihrem Zeitdruck. Dann erklingt majestätisch das Reisethema, und das Stück — dirigiert von Herrn Diefenthal — entführt einen auf die Weltreise mit Phileas Fogg und seinem Diener Passepartout. Italien, Balkan, Griechenland, Asien, dann Indien mit fremd anmutenden Schlangenbeschwörer-Klängen, schließlich laute Schüsse im Wilden Westen: Was hier musikalisch dargeboten wird, ist ganz großes Kino. Das Publikum steht nach dem Stück auf und applaudiert minutenlang — eine wohlverdiente Anerkennung für das Schulorchester.

Es folgt „Everything“ von Michael Bublé, gesungen von Noemi Zoé Palacios Prada und begleitet vom Schulorchester. Es ist eine jazzige Ballade, bei der sich die ruhig-unaufgeregte Stimme der Schülerin gut entfalten kann. In den letzten fünf Jahren konnte man miterleben, wie sich die junge Sängerin glänzend weiterentwickelt hat. Noemi beweist einmal mehr, wie mühelos sie zwischen tiefen Stellen und ganz hohen Tonlagen wechseln kann. Dies wird mit langem Applaus durch das Publikum belohnt.

Wegbegleiter der Bad Emser Bläserklasse werden mit kurzen Videobotschaften eingespielt: darunter Saxophonlehrer Peter Lerch, der seit 20 Jahren Schüler der Bläserklassen unterrichtet. Das Team vom Bläserstudio Koblenz bringt seine ganz eigene, mehrstimmige Instrumental-Version eines Glückwunschlieds zu Gehör.

Grußvideos ehemaliger Schülerinnen und Schüler erinnern immer wieder an die Anfänge der Bläserklasse am Goethe-Gymnasium Bad Ems. Sie berichten, wie ihnen diese Grundlagen in späteren Musikerkarrieren oder auch im Leben geholfen haben. Ein musikalischer Gruß rührt ganz besonders an: Lucia Kießling spielt auf ihrer Posaune das erste Stück, das sie damals unter der Leitung von Herrn Diefenthal gelernt hat, und zwar in der allerersten Bläserklasse im Jahr 2006.

In jedem Jahr stellen die Bad Emser ein seltenes Instrument als Solo-Instrument vor. Dieses Mal ist es — die Fahrradklingel. Bei „Happy Cyclist“ von Tedd Huggens steht sie besonders im Mittelpunkt. Tim Schäfer und Matthias Dämgen spielen punktgenau ihr Fahrradklingel-Solo, begleitet vom Schulorchester.

Mit einem weiteren seltenen Instrument geht es weiter. Nun ist ein sogenanntes Theremin zu hören, gespielt von Carolin Arndt aus Koblenz. Das Theremin ist eines der wenigen Instrumente, das man ohne Berührung spielt: Man bewegt die Hände in der Luft zwischen zwei Antennen. So steuert man Tonhöhe und Lautstärke. Das Ergebnis erinnert bisweilen an schottische Dudelsackklänge, dann wieder an fantastisch-sphärische Töne. Das Instrument passt exzellent zum Stück: Die Fanfare aus „Herr der Ringe“ kombiniert das Schulorchester kunstvoll mit dem, ja genau, „Hard Rock Blues“.

Hier wird sichtbar, wie groß das Netzwerk geworden ist, auf das das Goethe-Gymnasium Bad Ems und seine Bläserklasse inzwischen zurückgreifen können. Die Boomwhackers, die zu Beginn verwendet worden sind, wurden zum Beispiel von über zehn Einzelpersonen, Institutionen und befreundeten Schulen ausgeliehen, sodass man hier unnötige Käufe vermeiden konnte. Dieses Netzwerk der Bad Emser Musiklehrer ist in den letzten 20 Jahren stetig gewachsen. Ulrich Diefenthal betont: Die Bläserklasse am Goethe-Gymnasium wird auch in künftigen Jahren darauf zurückgreifen können.

Mit „Old Time Rock ’n Roll“ von G. Jackson und T. Jones kommt die Big Band des Goethe-Gymnasium auf die Bühne. Und man merkt direkt, dass diese Band das Konzert kraftvoll zu Ende bringen will. Die Spielfreude ist spürbar.

Zahlreiche Solos laufen durch die unterschiedlichen Stimmen, jeder improvisiert einmal: vom Altsaxophon zur Posaune, von der Flöte bis zur Klarinette. Immer wieder tritt ein anderes Instrument hervor, übernimmt kurz die Führung und gibt sie dann weiter: Gut gelaunt und mitreißend. Das Publikum feiert die Solos lautstark.

Bei „You Needed Me“ von R. Goodrum spielt Moderator Johannes Dämgen am Klavier mit, Moderatorin Medea Ellermeier spielt Trompete. Besonders ihr Solo auf dem Flügelhorn (noch so ein seltenes Instrument!) gibt dem Stück einen warmen, ganz eigenen Klang.

Schülerinnen und Schüler der Musik-Leistungskurse 11 und 12 bedanken sich speziell bei Familie Diefenthal, bei Herrn Gutjahr, Herrn Häring und Herrn vom Dorp. Stellvertretend für die vielen Jahrgänge, die durch die Bad Emser Bläserklasse zur Musik gefunden haben, wenden sie sich an ihre Lehrer: „Herr Diefenthal, Sie haben vor 20 Jahren den Grundstein gelegt, ohne Sie würden wir heute nicht hier stehen.“ Luca Kobiela ergänzt: „Auch Ihnen, Frau Diefenthal, möchten wir herzlich danken: für Ihr großes Engagement, für Rat und Tat und dafür, dass Sie immer ein offenes Ohr für uns haben.“ Sophie Dick fügt hinzu: „Und Herr Gutjahr, Ihnen ebenfalls vielen Dank, dafür dass sie seit vielen Jahren das Projekt Bläserklasse mittragen und sogar selbst noch im Orchester aktiv sind.“

Noch einmal ist das inzwischen wohlbekannte Stück von John Higgins zu hören. Ein Komponist der hr-Bigband hat diese Version mit offizieller Widmung zum Anlass „20 Jahre Bläserklasse am Goethe-Gymnasium Bad Ems“ komponiert. Sie wird in Zukunft auch mit dieser Widmung verkauft und erinnert damit dauerhaft an das 20-jährige Jubiläum der Bläserklasse Bad Ems. Es ist eine ganz eigene Variante des „Hard Rock Blues“ im Big-Band-Stil: nämlich Boogaloo. Das ist ein tanzbarer Musikstil aus den 1960er-Jahren, der lateinamerikanische Rhythmen mit Soul, Funk und Rhythm & Blues verbindet — locker, groovig und rhythmisch. Mit dem fetzig-schnellen „Gonna Fly Now“ von B. Conti, A. Robbins und C. Connors endet das Konzert in der Rhein-Mosel-Halle.

Zum Schluss kommen noch einmal alle Aktiven auf der Bühne zusammen. Über 200 Mitwirkende sind vor und hinter der Bühne beteiligt. „Wir haben heute wieder alle Altersstufen dabei, vom Fünftklässler bis hin zum Ehemaligen, die bereits vor Jahren Abitur gemacht haben“, freut sich Schulleiterin Christa Habscheid. „Auf dieser Bühne sehe ich viele selbstbewusste, standfeste junge Menschen. Was Sie hier sehen, das ist, was Schule eigentlich sein soll.“  In ihrer Rede hebt Schulleiterin Habscheid das Engagement der Fachschaft Musik hervor. Es sei das Herzblut der Lehrerinnen und Lehrer, das diesen Abend möglich mache. Besonders Frau und Herr Diefenthal und Herr Gutjahr seien mit „100 Prozent der Zeit, aber 180 Prozent Herz“ dabei — und ohne sie würde es dieses Projekt nicht geben.

Am Ende bleibt nicht nur ein Konzertabend. Es bleibt der Eindruck einer Schulgemeinschaft, in der viele Hände mit anpacken, viele Instrumente zusammenkommen und viele junge Menschen erleben, was entstehen kann, wenn man über Monate auf ein gemeinsames Ziel hinarbeitet. An diesem Abend greift alles ineinander — und daraus wird Musik.

 

Text Barbara Fischer, Abiturjahrgang 1999
Bilder Klaus Manns, Maximilian Eulenbach, Henning Paul

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