Wandertag der 7a: Auf den Spuren jüdischen Lebens in Bad Ems
Am 17.09.25 unternahm die Klasse 7a einen Lernwandertag am Friedhof Bad Ems. Begleitet von Frau Elisabeth Knopp, einer ehemaligen Kollegin, Frau Susanne von der Heyden und Frau Alexandra Franke, wurden die Schülerinnen und Schüler in zwei Gruppen aufgeteilt. Ausgangspunkt war ein Fokus auf die Geschichte unserer Schule im Dritten Reich, illustriert durch das Gemälde der ehemaligen Kaiser-Friedrich-Schule an der Hausmeisterloge respektive durch das Aufsuchen des Standortes an der Viktoriaallee und den Bericht einer ehemaligen Schülerin, Edith Königsberger.
Die Stationen führten zu den Handwerkerhäusern in der heutigen Friedrichstraße. Dort hat der Künstler Gunter Demnig wie an zahlreichen anderen Häusern „Stolpersteine“ in das Bodenpflaster gesetzt. Sie markieren den letzten frei gewählten Wohnort jüdischer oder anderer verfolgter Menschen vor ihrer Ermordung in Konzentrationslagern oder ähnlichen Einrichtungen der Nationalsozialisten. Einzelnen Verfolgten ist es gelungen, im Exil zu überleben. Zitate aus Originalbriefen und aus Zeitzeugenberichten ließen das Leid der Verfolgten ahnen.
Zentrale Orte jüdischen Lebens, wie Synagoge und Waisenhaus standen aus Zeitmangel nicht umfassend im Fokus. Berührend war, dass die Namen der Personen an Verwandte und Freunde erinnerten, die eventuell sogar mit den ehemals dort lebenden Handwerkern in verwandtschaftlicher Beziehung stehen könnten.
Am Friedhof lernten die Schüler und Schülerinnen den Ort respektvoll zu behandeln. Eine Gruppe arbeitete mit einem von Frau Knopp gestalteten ActionBound, einem digitalen Quiz zur Geschichte der Bestatteten, hebräischer Grabinschriften und Symbolen. Eine weitere Gruppe widmete sich der Grabpflege: Inschriften freilegen, Unkraut entfernen und Denkmale pflegen. Hierauf waren alle besonders stolz, da die Arbeitsergebnisse sofort sichtbar waren.
Zur Stärkung gab es Familienpizzen auf dem Spielplatz.
Die Begleiterinnen betonen, dass der Ausflug Toleranz und Respekt gegenüber anderen Religionen und Kulturen förderte – ein wichtiger Auftrag angesichts zunehmenden Antisemitismus. Die Spurensuche weckte unter den Lernenden Interesse und Neugier und führte zur Gründung einer Arbeitsgruppe zur Grabpflege und weiteren Recherchen (Archiv, Jewish Places, Gedenkveranstaltungen) und zur Mitgestaltung der jährlich stattfindenden Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht in der Brunnenhalle. Geplant sind weitere Freitageinsätze und Winteraktivitäten.
Ein besonderer Dank geht an die Klasse 7a sowie alle Helferinnen und Helfer vor Ort. Es ist etwas Besonderes, wie hier Geschichte außerhalb der Lehrbücher lebendig und greifbar wurde und persönliche Verbindungen zum eigenen Leben aufgewiesen hat. Abschließend ein persönliches Shalom von Susanne von der Heyden.
| Text | Susanne von der Heyden |
| Bilder | Susanne von der Heyden |
