Vorwort
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GOETHE, Bad Ems und 175 Jahre Höhere Schule

In unserer Zeit, in der dem geschriebenen Wort nur noch wenig Bedeutung beigemessen wird, sollen die folgenden Beiträge nichtsdestotrotz auch eine Erinnerung an die vergangenen Zeiten unserer Schule darstellen und den Leser gleichfalls auch unterhalten. In den Jahren 2021 und 2022 waren auf der Homepage des Goethe-Gymnasiums in loser Folge zehn Artikel erschienen, die unter verschiedenen Aspekten an das 175jährige Bestehen der Höheren Schule (1846 bis 2021) in Bad Ems erinnerten. Die Quellen dieser Beiträge stellen Schulschriften, Schülerbeiträge, Akten etc. allesamt aus dem Schularchiv dar.
Die Quellenlage zur Geschichte der Höheren Schule in Bad Ems ist von daher als gut einzuschätzen. Die umfangreicheren Bestände für die Zeit vor 1945 im Hessischen Staatsarchiv Wiesbaden wurden hier naturgemäß aber ebenso wenig eingesehen wie die Sammlungen des Stadtarchivs Bad Ems. Das Schularchiv im Hause stellt mit seinen amtlichen (Schulakten, Protokollbücher z.B.), halbamtlichen (schulischen Festschriften u.a.) und privaten Aufzeichnungen (Schülerschriften) eine hinreichende Materialbasis für diese eher anekdotischen Beiträge dar.

 

Quellen: Akten des Schularchivs

Literatur grundlegend:

Billaudelle, Karl: Beiträge zur Geschichte der Höheren Schule in Bad Ems, In: Staatliches Goethe-Gymnasium Bad Ems. Festschrift aus Anlaß der Einweihung des Schulneubaues und des 120jährigen Bestehens der Schule. Lahnstein 1966, 8-35.

50 Jahre Abitur. Festschrift zum 50jährigen Abiturjubiläum. Staatliches Goethe Gymnasium Bad Ems 22. – 24. Juni 1979. Bad Ems 1979.

Hier gesellt sich schließlich noch ein ebenfalls bereits auf der Homepage der Schule publizierter Artikel dazu, der die tatsächlich besondere Beziehung des Namengebers unserer Schule zu Bad Ems darstellt:

Goethes ‘Werther‘, die 250. Wiederkehr des 13./14. September 1772 und das Gymnasium in Bad Ems

Abgerundet werden diese Beiträge durch eine Photographie des Kollegiums von 2023.

 

Der Verfasser ist für viele technische Hilfestellungen im Internet wie auch bei Photographien Herrn Matthias vom Dorp sehr zu Dank verpflichtet.

Allen Abbildungen, die nicht dem Schularchiv entnommen wurden, sind Nachweise beigefügt, insofern sich diese ermitteln ließen.

Alle Eltern, ehemalige SchülerInnen und Freunde des Goethe-Gymnasiums waren und sind weiterhin gebeten und aufgerufen, gegebenenfalls noch vorhandene Erinnerungsstücke (Schüler- und Abi-Zeitungen, Fotos, etc.) dem Schularchiv zukommen zu lassen oder zur Registrierung zur Verfügung zu stellen! Einige der hier seitdem überarbeiteten Beiträge haben von diesen Zusendern bereits profitiert!

Dr. Thomas Bohn
Bad Ems, im September 2024

 

Zur Einführung sei zunächst ein kurzer Abriss zur Geschichte der Höheren Schule in Bad Ems vorangestellt.

Spätestens ab 1833 strebte die damals europaweit bekannte Kurstadt Bad Ems danach, eine höhere Lehranstalt zu erhalten. Erst dreizehn Jahre später gelang der damals ca. 2.500 Einwohner zählenden Kleinstadt die Gewährung einer „Herzoglich-Nassauischen Realschule“, die am 23. April 1846 mit zwei Klassen und sechs Lehrern ins neue Schuljahr startete. Diese Höhere Bürgerschule war gleich im doppelten Sinne ‘Real‘: sie war staatlich (real = königlich = staatlich) und sie erfüllte die Wünsche der Bürgerschaft nach der Erlernung der modernen Fremdsprachen Französisch und Englisch, die im internationalen Kurbetrieb grundlegend waren. Zumal der damalige Bildungsföderalismus für begabte Kinder aus Ems und Umgebung den Besuch des einzigen staatlichen (altsprachlichen) Gymnasiums [heute Görres-G.] in der Hauptstadt der Preußischen Rheinprovinz Koblenz fast unmöglich machte. Denn der Wunsch nach einer engeren Anbindung an den doch eher gefürchteten Nachbarn, die europäische Großmacht Preußen, bestand für das kleine Großherzogtum Nassau während der Zeit des Deutschen Bundes (1815-1866) gewiss nicht.  

Nach dem Deutschen Krieg von 1866, in dem sich der herzogliche Landesvater auf die Seite der Verlierer geschlagen hatte, wurde das Nassauer Land quasi preußisch und die Emser Anstalt zu einer Königlich-Preußischen Realschule I. Ordnung, d.h. mit Lateinunterricht. Lehrer- und Schülerschaft bestand, wie für eine höhere preußische Lehranstalt üblich, aus den drei Konfessionen evangelisch, katholisch und israelisch. Das erste bescheidene Schulgebäude in der Römerstr. 53 wurde 1878 getauscht gegen den angedeutet klassizistischen Quaderbau in der Viktoriastraße, dessen Schulhof [heute Therme] am Lahnufer endete. Der preußische Staat investierte damals in heute nicht mehr gekannter Höhe in die Bildung, und das nicht nur in den ganz wenigen Gymnasien. Die Typenbezeichnung der Schule wechselte während ihrer Zeit im Reichsland Preußen bis 1945 des öfteren. Für die maximal 80 Schüler des frühen Realprogymnasiums, die in bis zu sieben Klassen jahrgangsübergreifend unterrichtet wurden, war die sogenannte „Einjährigenberechtigung“ besonders wichtig, da ihre Absolventen nach der 12. Klasse ebenso wie die Abiturienten der immer noch ganz wenigen Gymnasien nur ein Jahr Militärdienst als Reserveoffiziersanwärter zu leisten hatten; die männlichen Abgänger der zumeist achtjährigen Volksschulen, d.h. 99% eines reichsweiten Jahrgangs, mussten dagegen bis zu drei Jahre Grundwehrdienst ableisten! Relativ spät, nämlich erst 1913, erhielt die Schule mit ‘Kaiser Friedrich‘ [III. 1831-1888], ihren ersten Namenspatron. Einen nassauischen Fürsten, was sich durchaus angebot, hätte Kaiser Wilhelm II. wohl nicht „zu genehmigen geruht“ und seinem Vater vorgezogen. Das erste „vollwertige“ Abitur konnte die Kaiser - Friedrich – Schule 1929 feiern; ab den 1930er Jahren besuchten die ersten Mädchen die Schule.  

Nach der Zäsur des II. Weltkrieges wurde die Emser Schule 1945 endgültig und bis heute in ein neusprachliches Gymnasium umgewandelt. Der alte, traditionsbegründete Name – die Hohenzollern hatten mit mehreren Generationen gerne und oftmals im „Kaiserbad“ gekurt - fiel 1949 weg. Der Name „Goethe-Gymnasium“ bleibt bis heute. Als die Schülerzahlen die Raumkapazität des alten Schulgebäudes schon lange gesprengt hatten, zog unsere Schule 1966 in den modernen Zweckbau in der Schulstraße um.

 

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